Wer kommt mit nach draußen?

SEIT FÜNF JAHREN finden die Naturentdecker des JuZe in ihren Streifzügen rund um Ellwangen die schönsten Plätze im Grünen. Gemeisam mit Fotograf Christian Frumolt habe ich mit ihnen
einen Tag am See verbracht.

Erschienen im Stadtmagazin Ellwangen 2018

Ein echter Naturentdecker braucht die richtige Ausrüstung«, lerne ich von meinem Sohn. Sehr viel Ausrüstung wie es scheint. Es ist Freitag 14.30 Uhr, Leander rennt durchs Haus, sammelt und packt. Handschuhe, Lupe, Fernglas, Notizbuch, Stift, Schnur, Marmeladenglas und Stoffbeutel. »Mama wo sind meine Gummistiefel?«, tönt es aus dem Keller. »Und Papas Werkzeugkasten?« Die Wathose muss mit, man weiß ja nie, wie
der Wasserstand am See ist, und der Kescher. Die armen Fische…
Endlich kommen wir am JuZe an. Der weiße JuZe-Bus, die Naturentdeckerkollegen und die Betreuer Margret (Schreg) und Max (Maximilian Andre) warten schon. Heute geht es zum Glassägweiher. Gut, dass wir Kescher und Gummistiefel dabei haben. Ein Bollerwagen voll mit Schaufeln, Wasseruntersuchungseimern und natürlich Fressalien fürs Picknick wandert auch noch in den Kofferraum. Dann geht es endlich los.

Still liegt der Glassägweiher im warmen Sonnenlicht. Mit der Ruhe ist es erst mal vorbei als der Trupp mit Bollerwagen & Co. in Richtung See zieht. Mit Sack und Pack geht es auf dem Trampelpfad über den Damm und weiter rund um den See, um ein geeignetes Fleckchen für die ausführliche Erkundung des Wassers und seiner Bewohner zu finden.

»Eigentlich ist der Pfad auf der Nordseite des Sees ja ein bisschen zu schmal für den Bollerwagen, aber hier kommen wir besser ans Wasser«, schreibt Naturentdecker Leander in sein Notizbuch. »Im Uferbereich gibt es massenhaft Kaulquappen. Die  schauen wir uns jetzt mal näher an«, notiert  er noch, bevor er, Berenike, Raphael und Valentin den Quappen etwas zu Leibe rücken wollen. »Wir holen sie aber nicht raus aus dem Wasser. Die stehen nämlich unter Naturschutz«, erklärt Leander fachkundig – drei Jahre Naturentdecker lehren so einiges, vor allem achtsam mit der Natur umzugehen. »Deshalb schauen wir uns die Kaulquappen nur im Wasser an, da geschieht ihnen nichts.«

Margret Schreg und die Truppe der »kleinen« Naturentdecker hat es sich unterdessen ein Stückchen weiter an der Uferböschung bequem gemacht. Sie haben etwas Wasser aus dem See geholt und schauen sich die Mikrobewohner darin genauer an.

Leander und seine Truppe haben mittlerweile die Kaulquappen wieder in Ruhe schwimmen lassen und sitzen am Ufer und schnitzen. »Ich bastle mir einen Speer zum Fischejagen«, meint Valentin. Er hat die Tierschutzidee der Naturentdecker  wohl noch nicht so ganz verinnerlicht.
»Das hier wird ein Angelhaken«, erläutert sein Bruder, auch nicht viel fischfreundlicher.

Magret Schreg lacht. »Wir achten darauf, dass kein Tier und keine Pflanze Schaden nimmt. Bei uns lernen die Kinder spielerisch den sorgsamen Umgang mit der Natur.« Dazu gehört auch, dass nach einem Ausflug immer gründlich  aufgeräumt wird. »Eigentlich sind die meisten Kinder bei uns es ohnehin gewöhnt, viel in der Natur zu unternehmen  und Rücksicht zu nehmen. Wir wollen aber insbesondere die Kinder erreichen, bei denen das Spielen draußen nicht zum Alltag gehört.« Das sei leider gar nicht so einfach. Dabei ist es so wichtig für Kinder die Freiheit draußen zu erleben.

»Wir sind zu jeder Jahreszeit in der Natur, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung«, lacht Max Andre. »Es  ist einfach schön, die Kinder zu beobachten, wenn sie anfangen, sich intensiv mit den Schätzen in der Natur zu beschäftigen.« Oft ist dabei der Weg das Ziel. Denn egal wie sehr man eine Route plant, unterwegs gibt es so viel Spannendes am Wegesrand – man muss nur die Augen aufmachen – dass die Truppe einfach unterwegs ihr Lager aufschlägt oder spontan die Route ändert.

»Das letzte Mal am Fischbachsee sind wir einem kleinen Bachlauf gefolgt und haben dann eine Quelle im Wald gefunden«, berichtet Max von einem solchen Umweg mit kleinem Wunder.»Iihh, schau mal, sind das Prozessionsspinner???«, ruft Raphael aufgeregt und zeigt auf einen Busch voll mit weißem Gespinst. »Nein, die haben so stachelige Antennen oben und sind  größer«, weiß Leander noch von einer unheimlichen Begegnung im letzten Jahr. Passiert ist zum Glück nichts. »Das  Schlimmste war, als letztes Jahr unser Freund im Wald von einem Schwarm Wildbienen ganz zerstochen wurde, da haben wir uns alle mordsmäßig  erschreckt«, erzählt er. Zum Glück ging es dem Ärmsten schnell wieder besser. »Das ist glücklicherweise die absolute Ausnahme gewesen. Meist sind das größte Missgeschick nur nasse Füße. Aber dafür haben wir ja immer Ersatzsocken dabei«, lächelt Margret Schreg.

Das Naturentdeckergrüppchen um Leander hat am Ostufer des Sees eine tolle Obstbaumwiese gefunden und  unternimmt mit großer Begeisterung, aber recht mäßigem Erfolg, Kletterversuche. »Schau mal die vielen Pusteblumen«, juchzt Berenike und bläst voller Begeisterung die kleinen Flieger in die Luft. Schnell ist eine  wilde Pusteblumenschlacht entfacht, bis uns Großen die Augen jucken.

»Mama, ich habe einen Bärenhunger«, stellt Valentin jetzt fest. Frische Luft macht hungrig. Zum Glück ist der Picknickwagen nicht weit. Auf Decken unter freiem Himmel schmecken frisches Brot, selbstgemachter Kräuterkäse, Karotten, Tomaten und Äpfel einfach am besten. »Herrlich so ein Picknick«, strahlen alle um die Wette. »Am liebsten essen die Kinder eigentlich Butterbrote. Heiß begehrt sind auch unsere Lagerfeuerpfannkuchen. Wir rösten auch Stockbrot und Spiegeleier und natürlich Würstchen über dem Feuer. Die Kinder lieben das«, berichtet Max von den Kochabenteuern der Runde. Zur Holunderzeit plant Margret Schreg  auch Termine zum Limonadenmachen. »Marmelade kochen wir auch aus selbst gepflückten Früchten. Die schmeckt einfach am besten«, weiß sie. Vielleicht sollten die Naturentdecker als nächstes ein Kochbuch machen. Das geht bestimmt wie geschnitten Brot mit frisch gesammelten Kräutern.

Gut gestärkt werden die letzten Kräfte für eine wilde Jagd über die Wiesen am Seeufer mobilisiert. »Wow, hier unten sind ja noch mehr Kaulquappen, alles schwarz, es wimmelt nur so«, Raphael ist begeistert.
»Da – ein Riesenfisch – schnell, ich brauch den Kescher«, schreit Valentin aufgeregt. Der Fisch hat sich unterdessen bei dem  Krach schnell von dannen gemacht. Aber versuchen kann man es ja mal. Berenike hat ein Stückchen weiter Biberspuren am Ufer gefunden. Leander zeichnet sie in sein Notizbuch. Kleine Watschelfüße mit Krallen dran auf dem Sandboden und drum herum überall angenagte Bäume. »Ich mag Biber«, erklärt Valentin, »die haben so schön orange Zähne. Wenn ich zu Hause bin, male ich mal einen.« – »Ich helf´ Dir«, offeriert der große Bruder generös.

Schnell wie im Flug sind die drei Stunden am Weiher vergangen. Die Kinderaugen strahlen vor lauter Eindrücken. Was hat Euch denn am besten gefallen, wollen wir Großen wissen? »Die Kaulquappen« – »Die Biberspuren« – »Die tollen Pusteblumen« – »Alles!«. Und wer kommt das nächste Mal mit nach draußen? »Ich« – rufen fünfzehn
glückliche Kinder gleichzeitig.

FOTOS CHRISTIAN FRUMOLT.
ILLUSTRATIONEN VALENTIN UND LEANDER KOKE

Ursprüngliches Pays d´Auge

Apfelwiesen, gefleckte Kühe, Calvados und weite Strände. Ein Landstrich zum Liebhaben.
Zugegeben, Nieselregen gibt es auch, manchmal scheint der Himmel einem geradezu auf den Kopf zu fallen, aber zum Glück ist am Meer das Wetter egal. Und wenn die Sonne wieder strahlt, ist alles vergessen – bei einem Licht, dass schon Claude Monet und alle anderen großen Impressionisten an die Küste der Cote Fleurie lockte.

Liebe auf der ersten Blick

Es war Liebe auf den ersten Blick. Manoir de Chaussoy – ein kleines Paradies, Vogelgezwitscher und Bachgeplätscher inklusive. Viel zu kurz waren die zwei Tage auf dem wunderschönen Anwesen von Catherine und Jean-Pierre im beschaulichen Toeufles, dass schon bei der Ankunft klar war – wir verlängern und kommen danach so schnell wie möglich wieder.